EMDT_European Medical Device Technology

Medtech Insider, Fall 2013

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Feature „Das Instrumentarium muss mit der Entwicklung Schritt halten" Im Bereich der Chirurgie hat sich in den letzten Jahren viel getan. Immer mehr Operationen werden standardisiert minimalinvasiv durchgeführt. Ein Trend, an den sich die Hersteller chirurgischer Instrumente anpassen müssen. Thomas Klein Foto: youngvet.iStockphoto.com D ie alten Ägypter stellten um das Jahr 2500 vor unserer Zeitrechnung die ersten chirurgischen Messer her, das älteste erhaltene Chirurgiebuch der Welt ist nur ungefähr 1000 Jahre jünger. Eigentlich sollte man annehmen, dass es in einer so alten Disziplin nicht mehr viele Neuerungen gibt und alle Verbesserungsmöglichkeiten für chirurgische Instrumente weitestgehend ausgereizt sind. Tatsächlich tut sich gerade in den letzten Jahren viel beim Design der Instrumente. Entwicklungen wie minimalinvasive Chirurgie und Fortschritte bei der Endoskopie sorgen dafür, dass sich die Anforderungen an die Instrumente verändern. Für Harald Stallforth, Vorstand für Entwicklung beim Hersteller Aesculap, sind die Ärzte zentrale Treiber bei der Entwicklung neuer Instrumente, indem sie die Operationstechniken immer weiter verfeinern, mit immer kleineren Schnitten und immer kleineren Zugängen operieren. „Innovationen entstehen bei uns in erster Linie in Gesprächen mit Kunden. Die Entwicklungen sind dabei eher inkrementell. Immerhin geht es dabei immer auch um Menschenleben, daher muss jede Neuerung auf Herz und Nieren geprüft werden." Die Anforderungen an das Design von chirurgischen Instrumenten sind vielfältig. Ein Beispiel ist Frage, wie die Instrumente gestaltet sein müssen, damit sie möglichst unproblematisch wiederverwendet werden können. In den Kliniken erfolgt die Wiederaufbereitung in der Zentralsterilisationsabteilung. Dort ist der Zeitdruck groß und die Funktion ist häufig an Dienstleister mit hoher Fluktuation ausgelagert. Daher darf emdt.co.uk magenta cyan yellow black das Personal nicht zu lange damit beschäftigt sein, die Instrumente auseinander- und zusammenzubauen. Die Werkzeuge müssen möglichst ohne Hohlräume auskommen und wenn doch welche vorhanden sind, sollten sie mit standardisiertem Verfahren gereinigt werden können. Daher bevorzugen viele Hersteller inzwischen Einmalprodukte. Minimalinvasive Chirurgie Die wohl wichtigste Entwicklung in dem Bereich ist aber der Fortschritt der minimalinvasiven Chirurgie. Operationen, bei denen ein minimalinvasiver Eingriff noch vor einigen Jahren nicht vorstellbar war, werden heute standardisiert minimalinvasiv durchgeführt. Die Vorteile für Patienten liegen auf der Hand. Sie erholen sich in der Regel deutlich schneller, haben weniger Wundschmerzen und Infektionen. Das Risiko von Narbenbrüchen und Verwachsungen sinkt. Kaja Ludwig, Chefarzt der Klinik für Chirurgie am Klinikum Rostock, schätzt, dass inzwischen 30 bis 40 Prozent der Operationen minimalinvasiv durchge- führt werden. Mit der neuen Operationsmethode ändern sich auch die Anforderungen an die Ausrüstung der Ärzte. Neben den Instrumenten muss auch eine Mini-Kamera eingeführt werden. Der Chirurg hat sein Operationsfeld also nicht mehr direkt vor sich, sondern schaut zum Arbeiten nur noch auf einen Bildschirm. Für Ludwig bedeutet das, dass er die Instrumente zukünftig einfacher „erfühlen" können muss. Die Instrumente müssen taktil unverwechselbar werden, um die Sicherheit bei der Operation zu erhöhen. Für die Zukunft der minimalinvasiven Chirurgie sieht er mehrere Herausforderungen: „Die Instrumente müssen immer dünner und leistungsfähiger werden. Das Instrumentarium muss mit der Entwicklung Schritt halten. Da hat der Innovationsschub in der letzten Zeit etwas an Schwung verloren. Für die Endoskopie sehe ich zwei Baustellen: Zum einen benötigen wir höhere Freiheitsgrade und mehr Beweglichkeit für Arbeitsendoskope. Zum anderen brauchen wir mehr Arbeitskanäle. Dazu sollten Optik und Arbeitsgerät entkoppelt werden." Herbst 2013 / 21 ES324314_MI1310_021.pgs 09.24.2013 21:46 UBM

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